Wann kommt eine Einzelveranlagung für Eheleute in Frage?

Ein Mal im Jahr kommt der Zeitpunkt, an dem sich verheiratete Paare Gedanken darüber machen müssen, ob sie ihre Steuererklärungen lieber einzeln oder doch besser getrennt abgeben sollen. Es gibt zahlreiche Gründe, die für eine einzelne Abgabe, wiederum aber auch etliche Anhaltspunkte, die für eine Zusammenveranlagung sprechen.

Automatische Zusammenveranlagung

Eheleute geben in der Regel ihre Steuererklärungen zusammen ab. Das ist meistens günstiger, als wenn beide einzeln dem Finanzamt Auskunft über Einnahmen und Ausgaben geben. Eine Zusammenveranlagung lohnt sich insbesondere dann, wenn die Einkünfte unterschiedlich hoch ausfallen. Dabei werden die Einkommen zusammengerechnet und halbiert. Das Ergebnis stellt die Grundlage zur Ermittlung der Höhe der Einkommensteuer dar.

Zu beachten ist allerdings, dass die Eheleute nicht dauerhaft getrennt leben dürfen. Wer zum Beispiel aus beruflichen Gründen einen anderen Wohnsitz als der Partner hat, kann trotzdem von den Steuerersparnissen einer Zusammenveranlagung profitieren.

Übrigens: Zu einer Zusammenveranlagung kommt es bei der Erstellung der Einkommensteuer automatisch, nachdem geheiratet wurde.

Diese Veranlagungsvarianten gibt es

  • Einzelveranlagung
  • Zusammenveranlagung
  • Sondersplitting bei Trennung
  • Verwitwetensplitting

Wer eine Einzelveranlagung einreichen möchte, muss das dem Finanzamt auf der ersten Seite des Mantelbogens mitteilen. Die Entscheidung wird jährlich getroffen und muss im folgenden Jahr dementsprechend wieder gekennzeichnet werden. Eine Änderung ist nur so lange möglich, bis der Steuerbescheid eingetrudelt ist.

Unterschied zwischen Einzelveranlagung und Zusammenveranlagung

Darin unterscheidet sich die Einzelveranlagung von der Zusammenveranlagung:

  • bei Einzelveranlgung geben Eheleute Steuererklärungen einzeln ab
  • Steuerbescheid wird einzeln ausgehändigt
  • Grundtarif wird bei Einzelveranlagung angewandt
  • sämtliche Freibeträge und Pauschbeträge gelten wie für eine ledige Person
  • nicht beanspruchte Beträge können nicht übertragen werden
  • Auskunft über Einnahmen und Ausgaben wird nur individuell geleistet
  • gemeinsame Einkünfte werden halbiert und angerechnet
  • Ausgaben für außergewöhnliche Belastungen etc. werden nur demjenigen zugewiesen, der für die Kosten aufgekommen ist
  • Berechnung für zumutbare Grenze für außergewöhnliche Belastungen folgt der Individualbesteuerung

Wann lohnt sich eine Einzelveranlagung?

Normalerweise kommt eine Zusammenveranlagung für Eheleute eher in Frage als eine Einzelveranlagung. Es gibt aber wie immer auch Ausnahmen.

Lohnersatzleistungen

Bezieht zum Beispiel einer der beiden Ehepartner für einen gewissen Zeitraum Lohnersatzleistungen (z. B. ALG, Elterngeld), dann erhöht sich bei einer Zusammenveranlagung auch die Steuerlast, da solche Leistungen dem Progressionsvorbehalt unterliegen.

Sonderausgaben

Ist ein Partner selbstständig und der andere nicht, lohnt sich ebenfalls eine Einzelveranlagung, da unter anderem verschiedene Höchstbeträge für Selbstständige gelten. Die Sonderausgabenabzüge sind dann höher.

Außergewöhnliche Belastungen

Erkrankt einer der Ehepartner, dann entstehen zwangsläufig hohe Krankheitskosten. Dadurch wird gegebenenfalls die zumutbare Belastungsgrenze überschritten. Davon kann in der Einkommensteuererklärung profitiert werden, da die Ausgaben als außergewöhnliche Belastung steuerlich abgesetzt werden können.

Abfindungen

Mit der Einzelveranlagung können Steuern gespart werden, wenn der Geringverdiener wenig Einkünfte bezieht und eine eventuelle Abfindung mit der Fünftel-Regelung besteuern möchte. Das lohnt sich aber erst dann, wenn der Partner über sehr gutes Einkommen verfügt.

Einkünfte aus dem Ausland

Bezieht einer der Ehepartner Einkommen aus dem Ausland, ist es in der Regel ebenfalls lohnenswert, eine Einzelveranlagung durchzuführen.

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