Steuerbescheid richtig lesen - Schluss mit Bürokratendeutsch

Schon mal was von einer "nicht lebenden Einfriedung" gehört oder von einem "Straßenbegleitgrün"? Wir auch nicht, weswegen wir das googeln mussten. Eine nicht lebende Einfriedung ist schlichtweg ein Zaun, Straßenbegleitgrün ist hingegen einfach nur eine Grünfläche.

Manchmal hat man das Gefühl, als müsste erst eine unterkühlter Norddeutscher den Sprachschatz der Beamten aufräumen, damit auch für Laien klar ist, was mit den oft unverständlichen Phrasen eigentlich gemeint ist.

Ähnlich verhält es sich mit dem Steuerbescheid. Wenn endlich das Schreiben des Finanzamtes im Briefkasten liegt, beginnt für viele das große Rätselraten. Was bedeutet der Vorläufigkeitsvermerk und wo um Himmels Willen steht mein Erstattungsbetrag?

Aufbau des Steuerbescheids

Mit Erhalt des Bescheids werden die Steuern festgesetzt. Der Grundaufbau eines Steuerbescheids ist immer derselbe. Zunächst wird in dem Schreiben darüber Auskunft gegeben, ob es sich um einen vorläufigen oder um einen endgültigen Steuerbescheid handelt.

Im weiteren Verlauf wird die Steuerschuld des Bürgers aufgelistet. Diese wird vom Finanzamt bestimmt.

Darunter sind persönliche Daten niedergeschrieben. Dabei gilt es zu kontrollieren, ob die richtige Bankverbindung angegeben wurde, damit eine mögliche RÜckzahlung auch auf das richtige Konto überwiesen werden kann.

Im letzten Abschnitt, den "Erläuterungen", wird erklärt bzw. begründet, wie das Finanzamt zu seiner Entscheidung gekommen ist. Hier findet der Steuerzahler - mehr oder weniger verständlich bzw. detailliert -, welche Ausgaben, Ansätze oder Pauschbeträge nicht anerkannt wurden und warum. Zudem ist hier eine Rechtsbehelfsbelehrung festgehalten, die darüber informiert, wann und wie gegen den Steuerbescheid Einspruch eingelegt werden kann.

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Vorläufigkeitsvermerk

Unter dem Punkt "Festsetzung" erfährst du, ob es sich um einen vorläufigen oder um einen endgültigen Steuerbescheid handelt. Dieser spielt vor allem dann eine Rolle, wenn es bezüglich eines Punktes noch ein offenes Gerichtsverfahren gibt und bisher kein rechtsgültiges Urteil gefällt wurde.

Festsetzungstabelle

Anschließend folgt die Festsetzungstabelle. Diese wird unterteilt in Einkommensteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer, sofern Letztere entrichtet wurde.

In der ersten Spalte befindet sich die Steuerschuld. Das ist der Betrag, den der Steuerzahler ans Finanzamt entrichten muss. In der zweiten Spalte befindet sich der Betrag, der bereits geleistet wurde. Daraus ergibt sich dann der Wert, der nachgezahlt oder der einem überwiesen wird.

Besteuerungsgrundlagen

Auf der zweiten bzw. dritten Seite befinden sich die Besteuerungsgrundlagen sowie die Erläuterungen. Auf dieser Seite begründet das Finanzamt, wie es zu seinen Schlussfolgerungen gekommen ist.

Zu den Besteuerungsgrundlagen zählen:

  • Einkünfte (Lohn, Elterngeld etc.)
  • Einnahmen aus Vermietung/Verpachtung
  • Zinsen
  • Dividenden
  • Kapitalerträge

Verrechnet werden diese Einkünfte mit:

Erläuterungen

Wurden bestimmte Angaben nicht anerkannt, kann in den Erläuterungen nachgelesen werden, wie der Sachbearbeiter zu seiner Entscheidung gekommen ist. Das Finanzamt teilt also mit, warum Angaben nicht berücksichtigt werden konnten. Wer hier Fehler feststellt oder anderer Ansicht ist, kann gegebenenfalls Einspruch einlegen. Wer sich unsicher ist und bestimmte Sachverhalte nicht komplett versteht, hat auch die Möglichkeit, das zuständige Finanzamt zu kontaktieren und nachzufragen. Dieses ist zur Auskunft verpflichtet.

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