Pflichtveranlagung: Wer muss eine Steuererklärung abgeben?

Jeder, der in Deutschland arbeitet, muss einen Teil seiner Einnahmen abgeben. Das scheint erst einmal ungerecht zu sein, dient aber der Finanzierung des Staats und somit haben wir alle einen Nutzen davon. Schließlich muss das Geld für die Sozialsysteme irgendwo herkommen.

Mit Steuern werden zum Beispiel soziale Absicherungen und die Infrastruktur finanziert - damit sind sie eine wichtige Voraussetzung für das Funktionieren der gesamten Ökonomie.

Dennoch kannst du von deinem Recht Gebrauch machen und dir zu viel gezahlte Steuern wieder zurückholen – und zwar mit einer Steuererklärung. Einige sind dazu sogar verpflichtet, andere wiederum nicht. Bis zu vier Jahre rückwirkend können sie trotzdem eine Steuererklärung abgeben.

Pflichtveranlagung: Wer muss eine Steuererklärung abgeben?

Wie bereits erwähnt, wird bei Arbeitnehmern die Einkommensteuer direkt vom Lohn abgezogen. Unter Umständen kann die erhobene Steuer allerdings von der „eigentlichen" Lohnsteuer abweichen. In solchen Fällen kommt es zu einer Pflichtveranlagung. Das bedeutet, dass Betroffene dazu verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben.

Die meisten von uns haben während des Steuerjahres nie mehr als einen Arbeitgeber und dieser führt jeden Monat direkt die Lohnsteuer vom Gehalt ab. Trifft dieser Fall auf dich zu, bist du nicht zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Aber genau dann lohnt es sich für dich, von deinem Recht Gebrauch zu machen und freiwillig eine Steuererklärung beim Finanzamt einzureichen, da du mit einer Rückerstattung rechnen kannst. Ganz besonders, wenn du in dem Jahr hohe Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen hattest.

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Voraussetzungen zur Abgabepflicht

Um eine Einkommensteuererklärung kommt man nicht herum, wenn:

  1. Finanzamt einen Lohnsteuerfreibetrag eingetragen hat (keine Abgabepflicht, wenn erzielter Arbeitslohn nicht 10.800 Euro pro Kalenderjahr übersteigt und keine zusätzlichen Einnahmen verzeichnet wurden)
  2. Leistungen erhalten wurden, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen und mehr als 410 Euro betragen
  3. bei getrennt lebenden Eheleuten der Ausbildungsfreibetrag, Behinderten- oder Hinterbliebenen-Pauschbetrag für Kinder nicht 50/50 aufgeteilt wird
  4. mehrere Einkünfte von mehreren Arbeitgebern eingenommen wurden
  5. Abfindung mit Fünftelungsmethode gezahlt wurde
  6. abgeltungssteuerpflichtige Kapitalerträge, auf die keine Abgeltungsteuer gezahlt wurde, eingenommen wurden
  7. Urlaubsvergütung aus Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft erhalten wurde
  8. Eheleute IV-Faktor/IV-Faktor gewählt haben
  9. Ehe des Arbeitnehmers während des Veranlagungszeitraums durch Tod oder Scheidung aufeglöst wurde
  10. Mindestvorsorgepauschale höher ist als Vorsorgeaufwendungen
  11. Nebeneinkünfte über 410 Euro liegen

Nebeneinkünfte bis 410 Euro steuerfrei

Arbeitnehmer, die Einnahmen aus nicht selbstständiger Arbeit verzeichnen, müssen darauf keine Steuern zahlen, solange die Summe der Nebeneinkünfte nicht mehr als 410 Euro pro Kalenderjahr beträgt.

Im Prinzip sind die 410 Euro also eine Freigrenze. Nebeneinnahmen in Höhe von 410 Euro bis 820 Euro werden ermäßigt besteuert. Die Freigrenze wird automatisch vom zuständigen Finanzamt berücksichtigt.

Davon ausgenommen sind Einkünfte wie Arbeitslosengeld I sowie Kapitalerträge, von denen Kreditinstitute bereits die Abgeltungsteuer einbehalten haben.

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Nils
24. Mai, 19:08 Uhr

Ich habe ein Frage zum Thema "Voraussetzungen zur Abgabepflicht":
Wenn einer der 11. ausgeführten Punkte zutrifft, muss ich eine Steuererklärung machen, das ist klar.
Aber muss ich sie direkt im darauffolgenden Jahr machen oder kann ich es erst später, so z.B. rückwirkend in 4 Jahren erst machen?

Bin aktuell Student und habe bisher noch keine Steuererklärung abgegeben. Für mich käme eigentlich nur Punkt 4. (mehrere Einkünfte von mehreren Arbeitgebern eingenommen wurden) in Frage, da ich letztes Jahr zwei Mini-Jobs hatte.

Support-Team
29. Mai, 06:25 Uhr

Hallo Simon,

dann bist du verpflichtet, die Erklärung bis zum 31.05. dieses Jahres für das Steuerjahr 2017 abzugeben. Rückwirkend bis zu vier Jahre ist nur dann möglich, wenn die Abgabe auf freiwilliger Basis beruht.

Beste Grüße