Pflichtveranlagung: Das verbirgt sich dahinter

Wer seine Gehaltsabrechnung in den Händen hält, sieht darauf die einzelnen Posten, für die bestimmte Geldbeträge einbehalten wurden. Dass brutto nicht gleich netto ist, sollte jedem bekannt sein.

Die meisten Arbeitnehmer erhalten ihr Gehalt immer am Ende des Monats und treten an den Staat einen gewissen Steuersatz ab. Den größten Anteil an Abgaben stellt die Lohnsteuer dar.

Grundsätzlich wird bei Einkünften aus nicht selbstständiger Arbeit bereits die Einkommensteuer abgezogen. Bei Selbstständigen oder Arbeitnehmern mit zum Beispiel mehreren Tätigkeiten sieht das allerdings schon anders aus. Sie müssen in der Regel Steuern nachzahlen. Hierbei handelt es sich um eine Pflichtveranlagung.

Pflichtveranlagung

Wie bereits erwähnt, wird bei Arbeitnehmern die Einkommensteuer direkt vom Lohn abgezogen. Unter Umständen kann die erhobene Steuer allerdings von der „eigentlichen" Lohnsteuer abweichen. In solchen Fällen kommt es zu einer Pflichtveranlagung. Das bedeutet, dass Betroffene dazu verpflichtet sind, eine Steuererklärung abzugeben.

Eine Veranlagung findet dann statt, wenn sich das Einkommen ganz oder nur zum Teil aus nicht selbstständiger Arbeit zusammensetzt.

Keine Steuertipps mehr verpassen

Voraussetzungen zur Abgabepflicht

Um eine Einkommensteuererklärung kommt man nicht herum, wenn:

  1. Finanzamt einen Lohnsteuerfreibetrag eingetragen hat (keine Abgabepflicht, wenn erzielter Arbeitslohn nicht 10.800€ pro Kalenderjahr übersteigt und keine zusätzlichen Einnahmen verzeichnet wurden)
  2. Leistungen erhalten wurden, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen und mehr als 410€ betragen
  3. bei getrennt lebenden Eheleuten der Ausbildungsfreibetrag, Behinderten- oder Hinterbliebenen-Pauschbetrag für Kinder nicht 50/50 aufgeteilt wird
  4. mehrere Einkünfte von mehreren Arbeitgebern eingenommen wurden
  5. Abfindung mit Fünftelungsmethode gezahlt wurde
  6. abgeltungssteuerpflichtige Kapitalerträge, auf die keine Abgeltungsteuer gezahlt wurde, eingenommen wurden
  7. Urlaubsvergütung aus Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft erhalten wurde
  8. Eheleute IV-Faktor/IV-Faktor gewählt haben
  9. Ehe des Arbeitnehmers während des Veranlagungszeitraums durch Tod oder Scheidung aufeglöst wurde
  10. Mindestvorsorgepauschale höher ist als Vorsorgeaufwendungen
  11. Nebeneinkünfte über 410€ liegen

Nebeneinkünfte bis 410€ steuerfrei

Arbeitnehmer, die Einnahmen aus nicht selbstständiger Arbeit verzeichnen, müssen darauf keine Steuern zahlen, solange die Summe der Nebeneinkünfte nicht mehr als 410€ pro Kalenderjahr beträgt.

Im Prinzip sind die 410€ also eine Freigrenze. Nebeneinnahmen in Höhe von 410€ bis 820€ werden werden ermäßigt besteuert. Die Freigrenze wird automatisch vom zuständigen Finanzamt berücksichtigt.

Ausgenommen davon sind Einkünfte wie Arbeitslosengeld I sowie Kapitalerträge, von denen Kreditinstitute bereits die Abgeltungsteuer einbehalten haben.

Jetzt Steuerrückzahlung berechnen!
Nils
24. Mai, 19:08 Uhr

Ich habe ein Frage zum Thema "Voraussetzungen zur Abgabepflicht":
Wenn einer der 11. ausgeführten Punkte zutrifft, muss ich eine Steuererklärung machen, das ist klar.
Aber muss ich sie direkt im darauffolgenden Jahr machen oder kann ich es erst später, so z.B. rückwirkend in 4 Jahren erst machen?

Bin aktuell Student und habe bisher noch keine Steuererklärung abgegeben. Für mich käme eigentlich nur Punkt 4. (mehrere Einkünfte von mehreren Arbeitgebern eingenommen wurden) in Frage, da ich letztes Jahr zwei Mini-Jobs hatte.

Support-Team
29. Mai, 06:25 Uhr

Hallo Simon,

dann bist du verpflichtet, die Erklärung bis zum 31.05. dieses Jahres für das Steuerjahr 2017 abzugeben. Rückwirkend bis zu vier Jahre ist nur dann möglich, wenn die Abgabe auf freiwilliger Basis beruht.

Beste Grüße