Arbeitszimmer - wie sich das Home-Office finanziell lohnt

Es ist Montag Morgen. Es ist kalt und regnet. Du hast dich schon wieder viel zu früh aus dem Bett gequält, nur um dir dann von deinem überengagierten Kollegen sagen zu lassen, dass du mal wieder drei Minuten zu spät bist. Als wäre das nicht genug, ist auch das überteuerte Kantinenessen mal wieder keinen der bezahlten Cents wert. Spätestens dann fragst du dich, ob es nicht irgendeine angenehmere Alternative gibt.

Von zu Hause aus arbeiten! - Das klingt doch nach der perfekten Lösung. Du kannst gemütlich in deinem kuscheligen Bademantel an deinem Schreibtisch sitzen und jederzeit die Füße hochlegen - sieht ja keiner. Zusätzlich ist dein Kühlschrank allzeit bereit und der Kaffee schmeckt eh besser. Das Ganze kann auch noch steuerlich abgesetzt werden - ein Traum.

Doch bevor du dich zu früh freust - so einfach ist das leider nicht. Damit sich ein häuslicher Arbeitsplatz finanziell lohnt, muss der Fiskus diesen erst einmal als solchen anerkennen. Nur unter bestimmten Gesichtspunkten können die dafür aufgebrachten Kosten von der Steuer abgesetzt werden. Wie das funktionieren kann, liest du hier.

Häusliches Arbeitszimmer

Unter einem häuslichen Arbeitszimmer versteht man ein Arbeitszimmer, das genutzt wird, um einer beruflichen Tätigkeit innerhalb des privaten Wohnraums nachzugehen.
Das Arbeitszimmer darf nur zu rein beruflichen Zwecken genutzt werden. Es ist weder gestattet, dass ein reger Publikumsverkehr im Zimmer herrscht, noch dass weitere Angestellte darin arbeiten. Generell können in diesen Fällen alle Kosten, die rund um das Arbeitszimmer entstehen, als Werbungskosten deklariert werden.
Aber auch hier kann es noch vorkommen, dass das Finanzamt die steuerliche Absetzung gar nicht oder nicht im vollen Umfang anerkennt.

Kriterien
Ein häusliches Arbeitszimmer steht einem Arbeitnehmer oder Selbstständigen laut Finanzamt dann zu, wenn folgende Umstände gegeben sind:

  • Es steht dem Arbeitnehmer oder Selbstständigen kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung.
  • Das Arbeitszimmer bildet den Mittelpunkt der beruflichen Betätigung.

Ausschließliche berufliche Nutzung:

Das Zimmer muss der ausschließlichen beruflichen Nutzung dienen. Um diesem Anspruch des Fiskus gerecht zu werden, muss das Arbeitszimmer räumlich vom privaten Wohnraum abgetrennt sein. Das heißt, das Zimmer muss durch eine Tür verschlossen werden können. Demnach darf es auch kein Durchgangszimmer oder eine Arbeitsecke in einem Privatraum sein. Auch bei der Einrichtung muss auf rein berufliche Zwecke geachtet werden. Ein Gästebett ist demnach nicht erlaubt. Für jeden Bewohner muss außerdem in der Wohnung zusätzlich zum Arbeitszimmer ein eigenes Zimmer zur privaten Nutzung zur Verfügung stehen.

Einfach gesagt: Befindet sich das Arbeitszimmer zum Beispiel im Keller oder Dachgeschoss der eigenen Wohnung und beinhaltet ausschließlich Büromöbel, dann wird dieses meist problemlos als solches anerkannt. Ein Bereich im Wohnraum, der nur durch einen Vorhang abgetrennt ist, erfüllt die Anforderungen dagegen nicht.

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Steuerlicher Abzug der Aufwendungen

Es gibt zwei unterschiedliche Regelungen vom Finanzamt, wann und in welchem Umfang die Aufwendungen eines häuslichen Arbeitszimmers steuerlich berücksichtigt werden.

1. Komplett

Wenn die gesamte berufliche Betätigung im häuslichen Arbeitszimmer stattfindet, können die tatsächlichen Aufwendungen als Werbungskosten abgesetzt werden - und das in vollem Umfang.
Auf folgende Berufsgruppen trifft das hauptsächlich zu:

  • Heimarbeiter
  • Schriftsteller
  • Künstler
  • Journalisten
  • Redakteure

2. Anteilig

Anders sieht es aus, wenn für bestimmte Tätigkeiten im Beruf kein eigener Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dies ist zum Beispiel bei Lehrpersonen der Fall. Diese führen ihre berufliche Tätigkeit zwar vor allem in Unterrichtsräumen aus, kriegen aber zur Vor- und Nachbereitung keine Büroräume zur Verfügung gestellt. Hier können die Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer ebenfalls abgesetzt werden, allerdings nur bis zu einer Höhe von 1.250 Euro.

Abzusetzende Aufwendungen

Die Kosten für das Arbeitszimmer können dann steuerlich geltend gemacht werden, wenn sie sich auf den dafür verwendeten Raum beschränken. Das betrifft zum einen die Einrichtung für das Home-Office, zum andren auch die Nebenkosten, die dafür aufgebracht werden.

1. Einrichtung
- Schreibtisch
- Bürostuhl
- Regale
- Leselampe
- …

Übrigens: Selbst wenn die Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitszimmer nicht erfüllt sind, sind Einrichtungsgegenstände dennoch als Werbungskosten direkt voll absetzbar.

2. Raum
- Miete
- Darlehenszinsen
- Energiekosten
- Reparaturen
- Versicherungsbeiträge (z. B. Gebäudeversicherung)
- Müllabfuhr
- Heizungswartung
- Grundsteuer
- Renovierungskosten
- …

Zu beachten ist: Bei den Kosten für Wohnungsmiete, Abschreibungen und Nebenkosten (Strom, Heizung und Müllabfuhr) müssen die Anteile für das Arbeitszimmer ausgerechnet werden, nur diese können in der Steuererklärung eingetragen werden.

Übrigens: Wenn mehrere Personen das Arbeitszimmer zu rein beruflichen Zwecken nutzen, können die Aufwendungen dafür mehrmals von der Steuer abgesetzt werden. Der Höchstbetrag von 1.250 € gilt nämlich pro Person und nicht pro Arbeitszimmer. Dabei ist es egal, ob das Zimmer gleichzeitig oder zeitversetzt genutzt wird - wichtig ist nur, dass alle Personen die Voraussetzungen für die Absetzung eines häuslichen Arbeitszimmers erfüllen.

Einfache Alternative

Sollte es keine Möglichkeit für ein räumlich abgegrenztes Arbeitszimmer innenhalb der privaten Wohnung geben, gibt es auch die Möglichkeit, sich ein Arbeitszimmer außerhalb der eigenen Wohnung zu suchen. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten: Man mietet sich eine Fläche in einem Bürokomplex oder man nutzt das Angebot eines Co-Working-Spaces.
Beide Fälle werden vom Finanzamt ohne Zweifel anerkannt. Die Frage nach dem “Mittelpunkt des beruflichen Tätigkeit” und der “Verfügbarkeit eines anderen Arbeitsplatzes” stellt sich in diesem Fall erst gar nicht. Die Aufwendungen für Miete und Einrichtung können demnach problemlos in der Steuererklärung angeben werden.

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