Wie wirkt sich Corona auf Deine Steuererklärung aus?

Vorweg: Für die Abgabe Deiner Steuererklärung für das Steuerjahr 2019 ändert sich erst einmal nichts, es gibt beispielsweise nur geänderte Öffnungszeiten zu beachten. Für die Abgabe der Steuererklärung 2020 im kommenden Jahr gibt es bereits heute einige Themen zu berücksichtigen, die bares Geld wert sein können. Allerdings verpflichtet auch der Bezug von Kurzarbeitergeld zur Abgabe der Steuererklärung – selbst, wenn dies bisher freiwillig war.

Öffnungszeiten und Verfügbarkeiten der Finanzämter aufgrund der Corona Pandemie

Laut Pressemeldungen der Finanz- und Wirtschaftsministerien der Länder bleiben die Finanzämter bis auf weiteres für den Publikumsverkehr geschlossen. Nichtsdestotrotz bleibt der Service auch in dieser Zeit gewährleistet. Die Finanzämter bitten, auf alternative Kontaktformen auszuweichen (z.B. Telefon, postalische Kommunikation, Einwurf, E-Mail). Einzelne Finanzämter gewähren auch weiterhin - nach vorheriger Terminvereinbarung - vereinzelt persönliche Termine.

Die Finanzämter bitten aber generell von allen nicht notwendigen Kontaktaufnahmen (beispielsweise Fragen zum Bearbeitungsstand der Steuererklärung) abzusehen, um mehr Zeit für die Bearbeitung von Soforthilfeprogrammen und Liquiditätshilfen für Steuerpflichtige zu haben. Die verschiedenen Kontaktmöglichkeiten Deines zuständigen Finanzamtes findest Du hier.

Verzögerungen bei der Erstellung von Steuerbescheiden aufgrund von Corona möglich

Wir möchten zudem darauf hinweisen, dass es aufgrund der Corona Pandemie zu deutlichen Verzögerungen mit dem Rücklauf der Steuererklärungen kommen kann – zumindest für das Jahr 2019.

So hat beispielsweise die Steuerverwaltung Baden-Württemberg mitgeteilt, dass der Beginn der Bearbeitung der Erklärungen zwar für Anfang April 2020 geplant war, dass es aber voraussichtlich zu weiteren Verzögerungen kommen wird. Gründe dafür sind reduzierte Besetzung, Heimarbeit und Priorisierung der Prüfung von Anträgen für Liquiditätshilfen. Gleiche Ankündigungen hat z.B. das Landeszentralamt in Niedersachsen gemacht.

Die Finanzämter bitten von Rückfragen diesbezüglich (insbesondere telefonisch) abzusehen, und sich nur in wichtigen und besonders dringenden Fällen an das zuständige Finanzamt zu wenden, da dies den Rücklauf nicht beschleunigt und nur die Bearbeitung weiter verzögert.

Achtung: Bezug von Kurzarbeitergeld führt grundsätzlich zur Abgabepflicht der Steuererklärung

Bitte beachte, dass Du bei Bezug von Kurzarbeitergeld verpflichtet bist, eine Einkommenssteuererklärung abzugeben, wenn Du Kurzarbeitergeld von mehr als 410,- Euro beziehst.

Ist Kurzarbeitergeld steuerfrei?

Die Corona Pandemie hat bereits schwerwiegende Auswirkungen auf unsere Wirtschaft und immer mehr Unternehmen müssen Kurzarbeit anmelden. Die Konsequenz ist, dass auch immer mehr Arbeitnehmer davon betroffen sein werden.

Grundsätzlich ist der Bezug von Kurzarbeitergeld als Lohnersatzleistung steuerfrei (§3 Abs. 2 Einkommenssteuergesetz - EstG). Dennoch ist zu beachten, dass das Kurzarbeitergeld in der Steuererklärung anzugeben ist, da dieses dem sogenannten Progressionsvorbehalt unterliegt. Das bedeutet, dass das Kurzarbeitergeld zwar nicht besteuert wird, allerdings erhöht sich die Basis für die Festsetzung des Steuersatzes, also die steuerpflichtigen Einkünfte zumindest fiktiv. Dieser erhöhte Steuersatz wird dann auf die steuerpflichtigen Einkünfte ohne Kurzarbeitergeld angewendet. Da der erhöhte Steuersatz erst in der Einkommenssteuererklärung angewendet wird und eben nicht bereits im Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber kann es aus diesem Grund zu einer Steuernachzahlung kommen.

Der Gesetzgeber möchte Eltern auch während der Corona Pandemie zusätzlich entlasten und gewährt diesen anstatt der üblichen 60% Kurzarbeitergeld einen auf 67% des pauschalisierten Nettolohns aufstockten Betrag. Hierfür ist es wichtig, dass das/die Kind(er) in den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) mit der Zahl der Kinderfreibeträge angegeben sind. Diese Freibeträge können für Kinder bis 25 Jahre gelten, solange die Kinder sich in Ausbildung, Studium oder sozialem Jahr befinden. Solltest Du noch keine Kinderfreibeträge eingetragen haben, wende Dich diesbezüglich an Dein zuständiges Finanzamt.

Verdienstausfall abfedern, Kurzarbeitergeld aufstocken mit Hinzuverdienst aus Minijob

Immer mehr Arbeitnehmer sind von Kurzarbeit persönlich betroffen. Eine Frage, die sich stellt, wie und ob der Einzelne sein reduziertes Gehalt anderweitig aufstocken kann bzw. wie sich dieses auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes auswirkt.

Möglich ist dies zum Beispiel, wenn man einen Minijob (oder geringfügige Beschäftigung bis 450,- Euro) in einem systemrelevanten Beruf annimmt und sich so einen steuerfreien Zuverdienst sichert.

Ob dieser Minijob bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes angerechnet wird, hängt grundsätzlich davon ab, ob der Minijob bereits vor Beginn der Kurzarbeit bestanden hat oder nicht. Seit Anfang April wird zudem bewertet, ob dieser in einem systemrelevanten Beruf ausgeübt wird oder nicht.

Einfach gesprochen, wirkt sich ein Minijob nicht auf die Berechnung des Kurzarbeitergeldes aus, wenn dieser Job bereits vor Start der Kurzarbeit angetreten wurde. Anders sieht es aus, wenn erst während der Kurzarbeit ein neuer Minijob aufgenommen wird. In diesem Fall wird das Minijobgehalt auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Dabei wird das Minijobgehalt von der Berechnungsgrundlage für das Kurzarbeitergeld (also dem vorherigen Nettogehalt) abgezogen. Das gilt jetzt aber nicht mehr für systemrelevante Berufe. Die einzige Bedingung hier ist, dass das Kurzarbeitergeld und der neue aufgenommene Minijob zusammen nicht mehr als das vorherige Nettoeinkommen ergeben.

Wichtig zu wissen, ist zudem, dass auch die Einkommensgrenze für einen Minijob von 450,- Euro im Zeitraum vom 01. März 2020 bis zum 31. Oktober 2020 bis zu fünfmal überschritten werden darf.

Abschließend stellt sich dann nur noch die Frage, was als systemrelevanter Beruf angesehen wird. Auch wenn dies in jedem Bundesland leicht unterschiedlich gehandhabt wird, gelten in der Corona Krise zumindest folgende Berufe als systemrelevant:

  • Klassische Berufe im Gesundheitsbereich (Ärzte, Pfleger, Rettungssanitäter)
  • Mitarbeiter von Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz
  • Mitarbeiter in Supermärkten und Drogerien
  • Erntehelfer in der Landwirtschaft
  • Mitarbeiter in Kinder-, Jugend und Behindertenhilfe
  • Gewisse Stellen in Staat, Justiz und Verwaltung
  • Mitarbeiter bei Entsorgungsunternehmen, Elektrizitäts- und Wasserwerken, Tankstellen
  • Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs

Werbungskosten durch Corona Heimarbeit

Grundsätzlich sollte der Arbeitgeber seinen Mitarbeitern Geräte für die Arbeit im Home Office zur Verfügung stellen oder zumindest die Nutzung von privaten Geräten mittels einer Bring-your-own-Device Regelung verbindlich klären. Die plötzliche Corona Krise erfordert aber von allen Beteiligten kurzfristiges Handeln und pragmatische Lösungen. In diesem Sinne nutzen auch viele Arbeitnehmer ihre private Ausstattung, um während des angeordneten Home Offices von zuhause aus arbeiten zu können. Teilweise werden zudem auch private Geräte speziell für diesen Zweck angeschafft.

Grundsätzlich können private Geräte, die für die Arbeit genutzt werden, auch bei der Einkommensteuererklärung als Werbungskosten geltend gemacht werden. Geräte, die nicht mehr als €952 Euro brutto gekostet haben, können direkt abgeschrieben werden, während teurere Geräte über die voraussichtliche Nutzungsdauer (bei Computer z.B. über 3 Jahre, bei Smartphones über 5 Jahre) abgeschrieben werden müssen. Wenn Du einen aufwendigen Nachweis vermeiden möchtest, wie oft Du Dein privates Gerät genutzt hast, kannst Du auch einen 50% Pauschbetrag der Abschreibungskosten geltend machen.

Gleiches gilt für die private Telefon- und Internetleitung. Wer im Home Office für die Arbeit surft oder telefoniert, kann pauschal ohne weiterführenden Nachweis regelmäßig 20% der Kosten bis maximal €20 in der Einkommensteuererklärung absetzen. Höhere Kosten können mit Nachweis natürlich ebenfalls abgesetzt werden. Hebe dafür aber unbedingt entsprechende Nachweise (z.B. Rechnungen) für den Zeitraum des verordneten Home Offices auf.

Beispiel: Ein privat gekaufter Laptop für 1.260 Euro wird während der Corona Pandemie für 3 Monate beruflich genutzt. Berücksichtigt man die Abschreibungsperiode von 36 Monaten, bedeutet das, dass monatlich 35,- Euro angesetzt werden können. Ohne weiteren Nachweis akzeptiert das Finanzamt in der Regel 50%, was in unserem Beispiel auf Werbungskosten von 42,50 Euro hinauslaufen würde.

Home Office als Werbungskosten

Grundsätzlich waren bisher Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nur in Ausnahmefällen im Rahmen der Steuererklärung als Werbungskosten abzugsfähig. Die Frage wird sein, ob das Home Office durch die Corona Pandemie zum Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung wurde und so bei der Abgabe der Steuererklärung 2020 im nächsten Jahr eine ganz andere Rolle spielen wird.

Alle Menschen, die kurz zuvor mit einem nachweislich infizierten Corona Patienten Kontakt hatten, werden seit Anfang März 2020 für mindestens 2 Wochen unter häusliche Quarantäne gestellt. Gleichzeitig haben viele Arbeitgeber spätestens ab Mitte März ihren Mitarbeitern nahegelegt, wenn nicht sogar diese verpflichtet, von zuhause aus zu arbeiten. Auch wurden viele Arbeitnehmer durch Schließung von Kindergärten, - krippen und Schulen quasi kraft Erlasses der Landesregierungen dazu gezwungen Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen und das geht in den meisten Fällen nur von zuhause aus.

Auch die Bundesregierung hat dazu aufgerufen, soziale Kontakte möglichst zu meiden und von zuhause im Home Office aus zu arbeiten. Dabei ist es das verordnete Ziel aller Maßnahmen, die Ausbreitung („Shutdown“) des Corona-Virus zu verlangsamen.

Wenn aufgrund der vorgenannten Sachlage nun ein privates Arbeitszimmer in ein beruflich genutztes Büro umgewandelt wird und der Arbeitnehmer aufgrund von Quarantäne, Anordnung des Arbeitgebers, Betreuungsbedarf der Kinder oder Verfügung der Verwaltung von zuhause aus arbeitet, können die Voraussetzungen für die Absetzbarkeit eines häuslichen Arbeitszimmer (kein anderer Arbeitsplatz verfügbar) in der Zeit der Corona Pandemie durchaus gegeben sein. Als Folge erscheint eine außerhalb der Corona Zeit nicht mögliche steuerliche Anerkenntnis des Home Offices denkbar. Wichtig dabei ist, dass es sich bei dem Arbeitszimmer um einen abgeschlossenen Raum handelt, der nahezu ausschließlich beruflich genutzt wird. So ist z.B. das Arbeiten am Küchentisch oder die Arbeitsecke im Wohnzimmer nicht ausreichend für die Geltendmachung der Ansprüche. Die Frage der Abziehbarkeit solcher Aufwendungen wird allerdings erst im Rahmen der individuellen Veranlagung von der Steuererklärung final geklärt werden.

Während der selbständige Fotograf ohne anderes Büro sein Arbeitszimmer als Mittelpunkt seiner beruflichen Arbeit nutzt und daher alle Kosten absetzen kann, kann ein Vertriebler nur bis zu einem Jahresbeitrag von €1.250,- das häusliche Arbeitszimmer geltend machen, da er einen wesentlichen Teil der Arbeit an anderer Stelle verbringt.

Vorübergehende Unterstützung des Gesundheitssystems durch Ärzte und Pfleger in Elternzeit oder Ruhestand

Die Corona Pandemie fordert unser Gesundheitssystem heraus. Aus diesem Grund wurden Rentner oder pausierende Mitarbeiter der medizinischen Berufszweige (also Ärzte und Pfleger) aufgerufen, das Gesundheitssystem mit ihren Erfahrungen und ihrer Arbeitskraft zu unterstützen.

Gewissermaßen als Dank für ihre Leistungen gewährt der Gesetzgeber diesen Personengruppen die Möglichkeit, Einkünfte aus dieser Tätigkeit begünstigt steuerlich geltend zu machen.

Dabei ist es wichtig zu wissen, dass die ärztliche und pflegerische Versorgung von kranken Menschen als eine zu begünstigte Tätigkeit gilt, für welche der sogenannte Übungsleiterfreibetrag (§3 Abs. 25 Einkommenssteuergesetz – EstG) bis zu einer Höhe von 2.400 Euro pro Jahr steuerfrei angewendet wird. Allerdings gibt es auch hier wieder Bedingungen und zwar, dass nicht mehr als 14 Stunden pro Woche gearbeitet wird und dass der Auftraggeber das Gesundheitsamt, ein staatliches Krankenhaus oder eine gemeinnützige Einrichtung ist.

Lass uns zusammenhalten – Wir schaffen das!

Wir hoffen, dass wir Dir die wichtigsten Fragen rund um das Thema Steuererklärung und Corona beantworten konnten.

Die Corona Pandemie hat unser Land in einen bis dato nicht für möglich gehaltenen Ausnahmezustand versetzt. Auf allen Ebenen ist das Leben heruntergefahren worden. Wir alle mussten uns vollkommen neu organisieren, und jeder ist aufgerufen, alles zu tun, um Familie und Gesellschaft vor einer Ansteckung zu bewahren. Gleichzeitig, und auch das ist eine enorme Herausforderung, sollen wirtschaftliche Aktivitäten und unser Arbeitsalltag unter Einhaltung der behördlichen Restriktionen aufrechterhalten werden. Doch das ist nichts angesichts der vielen Personen, die jeden Tag aufs Neue dafür sorgen, dass unsere Infrastruktur aufrechterhalten bleibt.

Unser herzlicher Dank gilt allen Pflegekräften, Ärzten, Feuerwehrleuten, Polizisten, Postzustellern, Kassiererinnen in den Supermärkten und generell an jeden, der dazu beiträgt, diese herausfordernde Zeit bestmöglich zu meistern. Ohne Euch würde das nicht funktionieren!

Bleibe zuhause, bleibe gesund und gebe Deine Steuererklärung für 2019 ab (wenn noch nicht geschehen) und sichere Dir eine durchschnittliche Rückzahlung von 1.007,- Euro.

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