Harte Zeiten: Außergewöhnliche Belastungen von der Steuer absetzen

Nur die wenigsten gehen schnurstracks durchs Leben, ohne sich von Ereignissen aus der Bahn werfen zu lassen. Ihnen widerfährt nichts Schlimmes und der liebe Gott hat es schlichtweg gut mit ihnen gemeint.

Aber nicht jeder gehört zu den Sonnenkindern. Krankheiten, Trauerfälle und finanzielle Sorgen streifen in der Regel mindestens 1 Mal unser Leben. In solchen Momenten sammeln wir eine Menge Erfahrung und gehen meistens wieder gestärkt daraus hervor.

Umso schöner ist es, dass der Staat einen bei vielen Angelegenheiten nicht im Stich lässt. Schon sind wir bei den außergewöhnlichen Belastungen gelandet. Wir sagen dir, was das ist und was du alles in der Steuererklärung ansetzen kannst.

Außergewöhnliche Belastungen

Eigentlich können Steuerzahler private Ausgaben nicht in der Einkommensteuererklärung angeben. Es gibt allerdings Ausnahmen. Und eben solche Ausnahmen sind außergewöhnliche Belastungen. Wer also innerhalb eines Kalenderjahres deutlich mehr Geld aufbringen musste, um sein geregeltes Leben finanzieren zu können, sollte von diesem Thema mal etwas gehört haben.

Wer sich dazu gewzungen sieht, viel Geld in die Hand zu nehmen, um bestimmte Umstände meistern zu können, kann einige Ausgaben von der Steuer zurückholen. Aufwendungen sind dann unumgänglich, sofern sie aus rechtlichen, sittlichen oder tatsächlichen Gründen nicht vermieden werden können. Dabei ist aber zu beachten, dass auch diese Ausgaben nicht bedingungslos vom Finanzamt anerkannt werden.

Tritt also ein Ereignis ein, das jemanden zu hohen Ausgaben zwingt, dann gilt derjenige laut Gesetzgeber als „belastet". Solche Aufwendungen dürfen dabei nur für sich selbst oder für einen Angehörigen aufgekommen sein. Auch hierbei gibt es Ausnahmeregelungen. Zum Beispiel dann, wenn für einen Nichtangehörigen Aufwendungen geleistet wurden, die der sittlichen Pflicht entsprechen. Das können mitunter Unterhaltszahlungen sein.

Was genau als außergewöhnliche Belastung bezeichnet wird, ist in den Paragrafen 33, 33a und 33b Einkommensteuergesetz (EStG) geregelt.

Allgemeine und besondere außergewöhnliche Belastungen

Außergewöhnliche Belastungen werden im Einkommensteuergesetz in 2 Gruppen unterteilt. Im Paragrafen 33a EStG werden die besonderen außergewöhnlichen Belastungen geregelt. Hier ist ebenfalls der Ausbildungsfreibetrag in Höhe von 924€ pro Kalenderjahr für jedes volljährige Kind, das sich in der Ausbildung befindet, festgesetzt. Im Paragrafen 33b sind wiederum noch weitere außergewöhnliche Belastungen aufgelistet. Das sind zum Beispiel Pauschbeträge für Personen, die unentgeltlich gepflegt werden müssen.

Besondere außergewöhnliche Belastungen sind bereits ab dem ersten Cent voll abzugsfähig, allerdings gibt es auch Pausch- und Höchstbeträge.

Allgemeine außergewöhnliche Belastungen sind hingegen erst aber einer individuell zumutbaren Belastungsgrenze steuerlich absetzbar. Das können laut Paragraf 33 beispielsweise Krankheitskosten sein.

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Zumutbare Belastung

Die zumutbare Belastungsgrenze orientiert sich an der Höhe der Einkünfte, der Kinderzahl und am Steuertarif. Der individuelle Grenzwert wird anschließend von den tatsächlich angefallenen Kosten abgezogen. So erhält man den als außergewöhnliche Belastung absetzbaren Betrag.

Grenzwertbemessung:

  • bis 15.340€: kinderlos, unverheiratet 5%; kinderlos, verheiratet 4%; mit 1 oder 2 Kindern 2%; 3 Kinder und mehr 1%
  • ab 15.341€ bis 51.130€: kinderlos, unverheiratet 6%; kinderlos, verheiratet 6%; mit 1 oder 2 Kindern 3%; 3 Kinder und mehr 1%
  • ab 51.131€: kinderlos, unverheiratet 7%; kinderlos, verheiratet 6%; mit 1 oder 2 Kindern 4%; 3 Kinder und mehr 2%

Belastungsgrenze überschreiten

Ob die Belastungsgrenze erreicht wird, weiß man leider erst, wenn das Jahr sich dem Ende neigt. Bis dahin sollten aber auf alle Fälle sämtliche Belege gesammelt werden. Ratsam ist es, geplante kostspielige Aufwendungen innerhalb eines Kalenderjahres anzusetzen. Wer also weiß, dass ein neuer Zahnersatz ansteht, kann diesen Posten gezielt terminieren. Somit ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die zumutbare Grenze erreicht wird.

Hinweis: Außergewöhnliche Belastungen werden nur auf Antrag vom Finanzamt berücksichtigt. Aber keine Sorge. Es muss nicht extra ein Brief aufgesetzt werden. Vielmehr ist damit gemeint, dass außergewöhnliche Belastungen in der Steuererklärung angegeben werden müssen.

Posten, die von der Steuer abgesetzt werden können

  • Ausgaben für stationäre oder ambulante Behandlung
  • Krankenhauskosten
  • krankheitsbedingte Unterbringung der eigenen Person in einem Pflegeheim (ebenfalls altersbedingt)
  • Augen-Laser-Operation
  • Heilmethoden, die nicht anerkannt werden
  • Kuren, sofern sie der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen
  • vom Arzt verschriebene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel
  • Fahrtkosten zum Arzt oder zur Apotheke
  • Aufwendungen zur Behandlung einer Lese- und Rechtschreibschwäche
  • Kosten für eine ambulante Pflegekraft
  • Ausbildungsfreibetrag (volljähriges Kind muss Anspruch auf Kindergeld haben, sich in der Berufsausbildung befinden und darf nicht im gemeinsamen Haushalt untergebracht sein)
  • Beerdigungskosten (Bestattungskosten müssen höher sein als Erbe und sonstige Ersatzleistungen)
  • Wiederbeschaffungskosten (durch zum Beispiel Brand oder Hochwasser verursachte Kosten)
  • Pauschbeträge für Behinderte
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