Außergewöhnliche Belastungen: Kosten von der Steuer absetzen

Außergewöhnliche Belastungen

Eigentlich können Steuerzahler private Ausgaben nicht in der Einkommensteuererklärung angeben. Es gibt allerdings Ausnahmen. Und eben solche Ausnahmen sind außergewöhnliche Belastungen. Wer also innerhalb eines Kalenderjahres deutlich mehr Geld aufbringen musste, um sein geregeltes Leben finanzieren zu können, sollte von diesem Thema mal etwas gehört haben.

Tritt also ein Ereignis ein, das jemanden zu hohen Aufwendungen zwingt, dann gilt derjenige laut Gesetzgeber als „belastet". Solche Aufwendungen dürfen dabei nur für sich selbst oder für einen Angehörigen aufgekommen sein. Auch hierbei gibt es Ausnahmeregelungen. Zum Beispiel dann, wenn für einen Nichtangehörigen Zahlungen geleistet wurden, die der sittlichen Pflicht entsprechen. Das können mitunter Unterhaltszahlungen sein.

Was genau als außergewöhnliche Belastung bezeichnet wird, ist in den Paragrafen 33, 33a und 33b Einkommensteuergesetz (EStG) geregelt.

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Allgemeine und besondere außergewöhnliche Belastung

Außergewöhnliche Belastungen werden im Einkommensteuergesetz in 2 Gruppen unterteilt. Im Paragrafen 33a EStG werden die besonderen außergewöhnlichen Belastungen geregelt. Hier ist ebenfalls der Ausbildungsfreibetrag in Höhe von 924 Euro pro Kalenderjahr für jedes volljährige Kind, das sich in der Ausbildung befindet, festgesetzt. Im Paragrafen 33b sind wiederum noch weitere außergewöhnliche Belastungen aufgelistet. Das sind zum Beispiel Pauschbeträge für Personen, die unentgeltlich gepflegt werden müssen. Besondere außergewöhnliche Belastungen sind bereits ab dem ersten Cent voll abzugsfähig, allerdings gibt es auch Pausch- und Höchstbeträge.

Allgemeine außergewöhnliche Belastungen sind hingegen erst ab einer individuellen zumutbaren Belastungsgrenze steuerlich absetzbar. Das können laut Paragraf 33 beispielsweise Krankheitskosten sein.

Zumutbare Belastungsgrenze

Die zumutbare Belastungsgrenze orientiert sich an der Höhe der Einkünfte, der Kinderzahl und am Steuertarif. Der individuelle Grenzwert wird anschließend von den tatsächlich angefallenen Kosten abgezogen. So erhält man den als außergewöhnliche Belastung absetzbaren Betrag.

Grenzwertbemessung:

  • bis 15.340 Euro: kinderlos, unverheiratet 5%; kinderlos, verheiratet 4%; mit 1 oder 2 Kindern 2%; 3 Kinder und mehr 1%
  • ab 15.341 Euro bis 51.130 Euro: kinderlos, unverheiratet 6%; kinderlos, verheiratet 6%; mit 1 oder 2 Kindern 3%; 3 Kinder und mehr 1%
  • ab 51.131 Euro: kinderlos, unverheiratet 7%; kinderlos, verheiratet 6%; mit 1 oder 2 Kindern 4%; 3 Kinder und mehr 2%

Belastungsgrenze überschreiten

Ob die Belastungsgrenze erreicht wird, weiß man leider erst, wenn das Jahr sich dem Ende neigt. Bis dahin sollten aber auf alle Fälle sämtliche Belege gesammelt werden. Ratsam ist es, geplante kostspielige Aufwendungen innerhalb eines Kalenderjahres anzusetzen. Wer also weiß, dass ein neuer Zahnersatz ansteht, kann diesen Posten gezielt terminieren. Somit ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass die zumutbare Grenze erreicht wird.

Urteil: Gestufte Berechnung der zumutbaren Belastung

Bisher richtete sich die zumutbare Belastungsgrenze nach dem höheren Prozentsatz, sofern der Einkünfte-Gesamtbetrag eine der in § 33 Abs. 3 EStG genannten drei Stufen überschreitet. Inzwischen ist der Bundesfinanzhof (BFH) von dieser Auffassung abgewichen. Fortan wird nur der Teil des Gesamtbetrags der Einnahmen, der den individuell ermittelten Grenzbetrag übersteigt, mit einem höheren Prozentsatz belastet.

Die bisherige Auslegung führte zu nicht leistungsgerechten Grenzsteuersätzen. Denn bei nur geringfügiger Überschreitung der Grenzbeträge wurden die zusätzlichen Beträge voll versteuert und nach Steuern verblieb ein geringeres Einkommen als bei Einkünften knapp unterhalb des Grenzbetrags.

Posten, die als außergewöhnliche Belastung von der Steuer abgesetzt werden können

  • Ausgaben für stationäre oder ambulante Behandlung
  • Krankenhauskosten
  • krankheitsbedingte Unterbringung der eigenen Person in einem Pflegeheim (ebenfalls altersbedingt)
  • Augen-Laser-Operation
  • Heilmethoden, die nicht anerkannt werden
  • Kuren, sofern sie der Heilung oder Linderung einer Krankheit dienen
  • vom Arzt verschriebene Arznei-, Heil- und Hilfsmittel
  • Fahrtkosten zum Arzt oder zur Apotheke
  • Aufwendungen zur Behandlung einer Lese- und Rechtschreibschwäche
  • Kosten für eine ambulante Pflegekraft
  • Ausbildungsfreibetrag (volljähriges Kind muss Anspruch auf Kindergeld haben, sich in der Berufsausbildung befinden und darf nicht im gemeinsamen Haushalt untergebracht sein)
  • Beerdigungskosten (Bestattungskosten müssen höher sein als Erbe und sonstige Ersatzleistungen)
  • Wiederbeschaffungskosten (durch zum Beispiel Brand oder Hochwasser verursachte Kosten)

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