Müssen Abfindungen versteuert werden?

So ein Arbeiterleben kann sehr lang sein. In der Regel müssen wir ungefähr 40 Jahre schuften, um in Rente gehen zu können. Viele arbeiten allerdings weit darüber hinaus bis ins hohe Alter, weil entweder die Rente nicht reicht oder weil man körperlich top fit ist.

In all den Jahren erlebt man so einiges. Es gibt zahlreiche Höhen und Tiefen, mal ist man motivierter, mal würde man am liebsten alles hinwerfen. Auch die Mitarbeiter kommen und gehen. Manche arbeiten mehrere Jahrzehnte für ein und den selben Arbeitgeber, andere springen alle paar Monate von Job zu Job.

Wie dem auch sei, in wirtschaftlichen Krisenzeiten werden insbesondere beim Personal Einsparungen vorgenommen. Das bedeutet dann meistens, dass Kündigungen ausgesprochen werden. Nicht selten werden in diesem Zusammenhang Abfindungen gezahlt, die den Mitarbeiter vor finanziellen Engpässen bewahren sollen. Es gibt aber auch andere Gründe, weswegen Abfindungen angeboten werden. Alles Wichtige zu dem Thema erfährst du jetzt.

Wenn eine Abfindung angeboten wird

Wenn Unternehmen kriseln, müssen oft Mitarbeiter gehen. Natürlich genießen Arbeitnehmer in Deutschland Kündigungsschutz. Deswegen werden im Rahmen einer betriebsbedingten Kündigung oft hohe Abfindungen angeboten. Wer eine solche annimmt, kann anschließend nicht mehr vor Gericht klagen. Das ist im Interesse der Arbeitgeber und mitunter ist es auch zugleich die beste Lösung für den Angestellten. Viele lassen sich im ersten Moment von der hohen angebotenen Summe verleiten und gehen die Vereinbarung ein. Woran dabei oft nicht gedacht wird, ist, dass Abfindungen versteuert werden müssen.

Doch was genau ist eine Abfindung aus rechtlicher Sicht? Eine Abfindung ist eine einmalige, außerordentliche Zahlung, die dem Arbeitnehmer bei Beendidung eines Dienstverhältnisses angeboten wird. Letztlich ist sie eine Ausgleichszahlung für den Verlust des Arbeitsplatzes.

Anspruch auf Abfindung

Arbeitnehmer, denen gekündigt wird, haben rein rechtlich gesehen keinen Anspruch auf eine Abfindung. Die meisten gehen davon, dass ihnen diese aufgrund der vielen Arbeitsjahre zusteht. Grundsätzlich handelt es sich dabei aber ausschließlich um eine freiwillige Leistung, die einem angeboten werden kann.

Das hat zur Folge, dass auch die Höhe der Abfindung nicht gesetzlich festgelegt ist. Arbeitnehmer müssen also verhandeln. Viele Chefs orientieren sich bei der angebotenen Summe an der Anzahl der Jahre, die der Kollege im Unternehmen gearbeitet hat. Pro Beschäftigungsjahr wird oft ein halbes Monatsgehalt gewährt. Für einen Mitarbeiter, der zum Beispiel 15 Jahre in einer Firma tätig war, gibt es bei einem monatlichen Bruttgehalt von 3.500€ demnach 26.250€ als Abfindung.

Wie viel muss ich versteuern?

Abfindungen werden seit 2006 wie steuerpflichtiger Arbeitslohn behandelt. Es handelt sich dabei also um nichts Anderes als eine Lohnzahlung. Sie wird auf der Lohnsteuerbescheinigung als außerordentliche Einnahme verbucht. Eine Besonderheit ist, dass die Abfindung nach der Fünftelregelung besteuert werden kann.

Fünftelregelung

Bei der Fünftelregelung teilt der Sachbearbeiter die gezahlte Abfindung durch 5. Anschließend wird ein Fünftel zum Jahreseinkommen addiert. Dann wird das Gesamteinkommen versteuert. Das Ergebnis wird mit dem Wert verglichen, der sich ohne eine Abfindung ergeben hätte. Bei der Differenz handelt es sich um die sogenannte steuerliche Mehrbelastung, die zu entrichten wäre, wenn der Gekündigte nur ein Fünftel der Abfindung erhalten hätte. Die steuerliche Mehrbelastung wird zum Schluss mit 5 multipliziert und somit bleibt schlussendlich mehr Netto vom Brutto übrig. Bei der Fünftelregelung handelt es sich also um eine Variante, mit der Steuern gespart werden können.

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Voraussetzungen

Es gibt bestimmte Bedingungen, die erfüllt sein müssen, um überhaupt von der Fünftelregelung profitieren zu können. In Anspruch kann ein Arbeitnehmer diese Variante der Steuerersparnis nur dann nehmen, wenn durch die Abfindung mehr Geld pro Kalenderjahr verdient wird, als wenn regulär das Dienstverhältnis fortbestanden hätte. Manchmal kommt es dann in Frage, dass die Abfindung erst im folgenden Jahr ausgezahlt wird, sofern das zeitlich möglich ist.

Hinweis: Von der Fünftelregelung kann kein Gebrauch gemacht werden, wenn die Abfindung in Teilzahlungen ausgeschüttet wird.

Welche Folgen hat eine Abfindung?

Eine Abfindung anzunehmen, kann unter Umständen problematisch sein. Wer noch keine neue Stelle in Aussicht hat und sich arbeitlos meldet, wird vermutlich für das Arbeitslosengeld für einen gewissen Zeitraum gesperrt.

Ausgenommen davon sind Arbeitnehmer, die eine Abfindung erhalten haben und fristgerecht gekündigt wurden. Das bedeutet, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer unbedingt darauf achten sollten, dass die reguläre Kündigungsfrist eingehalten wird. Nur so behalten Gekündigte ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld 1.

Risiko Abfindung

Es kommt aber auch vor, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter schneller loswerden wollen und die Abfindung deswegen großzügiger ausfällt. Nimmt der Angestellte dieses Angebot an, ruht der Anspruch auf ALG 1, weil es sich bei einer Abfindung grundsätzlich um ein beidseitiges Einvernehmen handelt. Das bedeutet konkret, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitslosigkeit bewusst in Kauf nimmt. Erst nach der Ruhezeit wird ALG 1 ausgezahlt. Während dieser Zeit, in der auf die Zahlung verzichtet werden muss, müssen Versicherungsbeiträge vom Gekündigten selbt übernommen werden. Einzig Beiträge zur Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung übernimmt die Agentur für Arbeit.

Hinweis: In der Regel beträgt die Ruhezeit 3 Monate. Wie lange sie letztlich für einen selbst ausfällt, entscheidet der Sachbearbeiter individuell.

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